Wir waren Helden

Wenn du nach 1976 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun... Verschwinde!

Kinder von heute werden in Watte gepackt! Wenn du als Kind in den 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten!

Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt mit Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen und auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen.

Niemand wußte, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei! Wir haben uns geschnitten, brachen uns Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht".

Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders. Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms. Wir hatten Freunde!!!

Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns.

Wie war das nur möglich? Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, mußte lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, daß die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas! Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wußten wir umzugehen. Und du gehörst auch dazu. Herzlichen Glückwunsch!

Unbekannter Verfasser, aber er hat so recht.
Lange-Weile - 25. Jun, 11:01

Natürlicher Instinkt

Hallo Stück,

zu der Generation gehöre ich auch und deshalb kann ich jeden Absatz des Verfassers untershreiben ;.).

Aufsicht der Eltern war kaum möglich. Sie waren von morgens bis abends am ackern. Das hatte einen großen Vorteil, denn das ständige Herumgezoppe an uns Kindern blieb aus. Wir prägten uns sozusagen selbst auf der Wildbahn.

In uns konnte sich ein natürlicher Instinkt entwickeln, der für das spätere Überleben als Erwachsener von großen Nutzen war.

Und - es gab noch einen ganz wichtigen Aspekt. Als die Kinder- und Jugendjahren beendet waren, waren wir bereit für das Erwachsenen Leben. Das ist heut nicht immer der Fall.

Bosetzky hat das vom unbekannten Verfasser beschriebene Leben ein 3 Romanen niedergeschrieben. Weil es sein eigenes Leben war, lebte es von seinen Erzählungen so intensiv, als wäre man selber dabei gewesen. Ich hab oft Tränen in den Augen gehabt - mal für lachen und ein andermal, weil es so traurig war.

Trotz der Härte der Jahre nach dem Krieg schwingt in seinen Bücheren die Sehnsucht nach den vergangenen Kinderjahren wie ein zarter Grundton mit.

Gruß LaWe


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